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Version 1.05 - 2016

Standardmaßnahmenplan "Schlafstörungen"  (neues Strukturmodell)

 
Rund 1,2 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von Beruhigungsmitteln. Zwei Drittel davon sind Frauen über 65. Eine fundierte Pflege von Betroffenen sollte über das Auffüllen des Medikamentendispensers hinausgehen.
 

Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".


Dieses Dokument ist auch als Word-Dokument (doc-Format) verfügbar. Klicken Sie hier!

 

Standardmaßnahmenplan "Schlafstörungen"
  • Im Alter zählen Schlafstörungen zu den häufigsten Problemen. Rund jeder dritte Senior über 65 Jahre ist betroffen.
  • Gelegentliche Schlafstörungen treten bei vielen Menschen auf und bedürfen keiner Behandlung, da sie nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Eine Schlafstörung liegt vor, wenn
    • die nächtliche Wachzeit 30 Minuten übersteigt,
    • wenn diese Wachzeit an mindestens drei Tagen pro Woche auftritt und
    • die Beschwerden mindestens vier Wochen anhalten.
  • Die individuellen Schlafgewohnheiten alter Menschen können erheblich variieren. Der nächtliche Schlafbedarf kann auf sechs Stunden sinken. Mit "Nickerchen" kann die gesamte Schlafdauer aber auch leicht zehn bis zwölf Stunden betragen.
  • Wenn akute Schlafstörungen nicht behandelt werden, können sich diese zu chronischen Schlafstörungen entwickeln. Daher ist es wichtig, Schlafstörungen zu einem frühen Zeitpunkt zu therapieren.
  • Da Senioren häufig weder körperlich noch geistig gefordert werden, ist deren Schlaftiefe zumeist vergleichsweise gering.
  • Der Umzug in ein Pflegeheim ist ein drastischer Einschnitt in das Leben. Dadurch werden häufig Schlafstörungen ausgelöst.
Maßnahmen
Begründung und Anmerkungen
Fallbeispiel:
  • Frau Meier ist 81 Jahre alt. Sie hat sich vor eineinhalb Jahren bei einem Sturz einen Oberschenkelhalsbruch zugezogen. Trotz einer Implantation einer Endoprothese (TEP) hat sie einen Großteil ihrer Mobilität eingebüßt.
  • Frau Meier war zeitlebens körperlich aktiv. Sie ist jetzt nicht mehr in der Lage, durch Bewegung ihre Kräfte zu verbrauchen und müde zu werden.
  • Frau Meier klagt im Bereich der Hüfte über eine starke chronische Schmerzbelastung, die sie keinen Schlaf finden lässt.
  • Wir ermuntern Frau Meier, an unseren Freizeitaktivitäten teilzunehmen, etwa an der Sitztanzgruppe.
  • Wir bieten Frau Meier Bettgymnastik an.
  • Soweit möglich verlegen wir anstrengende Therapiemaßnahmen vom Vormittag auf den Nachmittag, also insbesondere die Bewegungsübungen im Rahmen der Kontrakturenprophylaxe.
  • Frau Meiers Schmerzen lassen nach, wenn eine Wärmflasche aufgelegt wird. Auch eine zusätzliche Unterlagerung des betroffenen Beins in der Seitenlage lindert die Beschwerden.
  • Es ist wichtig zu prüfen, welche Möglichkeiten für die Bewohnerin bleiben, um sich körperlich zu bewegen. Die Bewohnerin kann sich z. B. mit dem Rollstuhl außerhalb der Einrichtung bewegen.
  • Die vom Arzt vorgegebene medikamentöse Schmerztherapie wird präzise umgesetzt.
Fallbeispiel:
  • Herr Müller leidet an dem sog. "Restless-Legs-Syndrom". Dieses äußert sich in der Nacht durch Schmerzen, durch ein Kribbeln und durch ein Brennen der Beine. Es bessert sich erst durch das Bewegen der Beine.
  • Herr Müller klagt zudem über eine unangenehme Schlafposition.
  • Wir ermahnen Herrn Müller dazu, auf Nikotin und auf Alkohol zu verzichten.
  • Wir helfen Herrn Müller bei der Einnahme einer angenehmen Schlafposition. Er akzeptiert die Rückenlage, die Seitenlage und die 135°-Lagerung. Die Bauchlage lehnt er ab.
  • Herr Müller erhält auf Wunsch weitere Lagerungshilfsmittel, etwa ein zweites Kissen oder ein sog. "Seitenschläferkissen".
  • Wir überprüfen die Medikation auf die Nebenwirkung Schmerz hin, etwa Antidepressiva.
  • Wir regen beim Hausarzt an, dass der Bewohner ein Eisenpräparat einnimmt.
  • Wir prüfen, ob der Bewohner das Kopfkissen als zu hart oder zu weich empfindet.
  • Wir prüfen, ob der Bewohner eine andere Härte der Matratze bevorzugt. Belange der Dekubitusprophylaxe werden dabei berücksichtigt.
Fallbeispiel:
  • Frau Meier lebt seit drei Jahren im Pflegeheim. Sie hat großes Vertrauen in die Wirkung von Medikamenten und lehnt nichtmedikamentöse Therapieansätze tendenziell ab. Seit dem Tod ihres Mannes leidet sie an Unruhezuständen und an Schlaflosigkeit.
  • Versuche, sie an Entspannungstechniken wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson heranzuführen, scheitern an ihrer mangelnden Kooperation. Frau Meier ist davon überzeugt, dass ihr nur "richtige" Schlafmittel helfen werden. Sie soll daher ein möglichst schonendes Schlafmittel erhalten. Eine Übermedikamentierung soll vermieden werden.
  • Frau Meier hält zudem nach dem Mittagessen Mittagsschlaf. Sie ist daher am Abend nicht müde genug, um einzuschlafen.
  • Frau Meier erhält auf Anraten ihres Arztes Baldrianextrakt mit Melissenextrakt. Hier ist i. d. R. schon eine sehr geringe Dosierung ausreichend, damit Frau Meier gut schläft.
  • Wir informieren Frau Meier über die Risiken und Nebenwirkungen, die beim Einsatz hochwirksamer Schlafmittel auftreten, insbesondere bei der Einnahme von Benzodiazepinen.
  • Wir legen Frau Meier nahe, auf den Mittagsschlaf zu verzichten oder diesen zumindest deutlich einzuschränken.
  • Frau Meier wird nach dem Mittagessen sinnvoll beschäftigt, damit sie nicht aus Langeweile Mittagsschlaf hält. Sie liest in ihren Gedichtbänden und malt gerne mit Aquarellfarben.
  • Am Vormittag und am Nachmittag sollte sich Frau Meier körperlich betätigen, damit sie abends ausreichend ermüdet ist. Mit etwas Überzeugungsarbeit können wir sie dazu bewegen, gemeinsam mit Frau Schmidt einen Spaziergang durch den Schlosspark zu unternehmen.
  • Frau Meier sollte sich nur zum Schlafen ins Bett legen, also nicht zum Lesen, zum Fernsehen oder zum Radiohören. Wir mobilisieren sie stattdessen in ihren Sessel, da sie dort nicht einschläft.
  • Am Abend sollte sich Frau Meier mit angenehmen Tätigkeiten beschäftigen. Belastende und unangenehme Aufgaben sollte sie am Vormittag erledigen.
  • In vielen Fällen ist nicht der Medikamentenwirkstoff ursächlich für die Schlafförderung, sondern das bloße Vertrauen des Patienten in das Arzneimittel.
  • Wir prüfen, ob die Bewohnerin alternativmedizinische Behandlungsmethoden akzeptiert. Sie erhält dann ggf. Homöopathika.
Fallbeispiel:
  • Herr Müller war vor zwei Jahren das Opfer eines nächtlichen Einbruchdiebstahls. Er leidet seitdem unter Angstzuständen, die seine Nachtruhe erheblich beeinträchtigen.
  • Trotz aller Risiken hat der Arzt Benzodiazepine gegen die Schlafstörungen verordnet. Die renale Ausscheidung (über die Niere) sowie die hepatische Ausscheidung (über die Leber) sind bei Herrn Müller beeinträchtigt. Es kann zu einer Akkumulation des Medikaments kommen, also zu einem stetigen Ansteigen des Wirkstoffspiegels über das gewünschte Niveau hinaus. Herr Müller trinkt Alkohol und nimmt gleichzeitig Benzodiazepine ein.
  • Herr Müller konsumiert koffeinhaltige Getränke. Durch diesen Wirkstoff kann er am Abend nicht einschlafen.
  • Wir beachten, dass die stark muskelentspannende Wirkung die Gefahr von Stürzen erheblich steigert. Wir bitten Herrn Müller, nach einer Pflegekraft zu klingeln, damit diese ihn bei Transfers unterstützt.
  • Der Zustand von Herrn Müller wird genau beobachtet. Wir achten auf Aufmerksamkeitsstörungen, auf Bewegungs- und auf Koordinationsschwierigkeiten. Wir informieren den Arzt, wenn wir eine Akkumulation des Wirkstoffs befürchten.
  • Wir raten Herrn Müller, den Koffeinkonsum deutlich zu reduzieren. Insbesondere drei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen sollte er koffeinhaltige Getränke meiden.
  • Nach zwei - spätestens nach acht Wochen - sollten Benzodiazepine abgesetzt werden. Ggf. werden wir bei dem verschreibenden Arzt vorstellig und bitten um eine Überprüfung.
  • Wir informieren den Arzt über einen etwaigen Alkoholkonsum.
  • Wir berücksichtigen, dass Koffein auch in Tee, Cola, Mate, Guaraná sowie in Energydrinks vorhanden ist. Auch in vielen Schmerzmitteln mit Acetylsalicylsäure oder Paracetamol ist Koffein enthalten.
  • Wir beachten, dass der Effekt von Koffein individuell sehr schwanken kann und es ggf. sogar zu einer paradoxen Wirkung kommt. Bei einigen Senioren wirkt ein starker Kaffee also Schlaf fördernd. Dieses betrifft etwa Senioren mit Durchblutungsstörungen im Hirn.
Fallbeispiel:
  • Frau Meier leidet unter Krankheiten aus dem rheumatischen Formenkreis. Sie nimmt deswegen Medikamente ein, deren Nebenwirkungen offenbar für die Schlafstörungen mitverantwortlich sind.
  • Frau Meier hat sich vor sechs Monaten eine Fraktur des Ellenbogengelenks zugezogen, die mittlerweile abgeheilt ist. Aus diesem Grund wurde auch das starke Schmerzmittel abgesetzt. Der offensichtlich aufgetretene Entzug verursacht Schlafstörungen.
  • Ein "Absacker" als Abendritual ist Frau Meier sehr wichtig. Aufgrund körperlicher Einschränkungen kann sich Frau Meier weder ein Glas einschenken noch dieses trinken.
  • Medikamente gegen die Rheumaerkrankung erhält Frau Meier (soweit möglich) am Morgen. Das reduziert die Nebenwirkungen am Abend.
  • Soweit es sich lediglich um einen kleinen Schlummertrunk handelt und keine Wechselwirkungen auftreten, ist die Pflegekraft Frau Meier beim Einschenken und beim Trinken behilflich.
  • Gemeinsam mit dem Hausarzt prüfen wir die Verabreichung alternativer Substanzen.
  • Wir raten der Bewohnerin dringend davon ab, ein Medikament eigenmächtig abzusetzen.
  • Wir raten der Bewohnerin, Genussmittel wie Kaffee, Alkohol oder Cola am Abend zu vermeiden. Nur in kleinen Mengen können diese Stoffe Schlaf fördernd wirken.
  • Verschiedene Medikamente sollten nicht abrupt abgesetzt werden. Stattdessen sollte die Dosis im Verlauf mehrerer Wochen schrittweise reduziert werden.
Fallbeispiel:
  • Herr Müller ist stark übergewichtig und schnarcht sehr laut. Er ist tagsüber sehr müde und erschöpft. Häufig schläft er auch ein.
  • Herr Müller leidet unter Schlafapnoe.
  • Herr Müller bekommt nachts Hunger und kann deswegen nicht schlafen. Er klagt über nächtliche Mundtrockenheit und über Durst.
  • Der Schlaf von Herrn Müller wird durch dessen Ernährungsgewohnheiten gestört. Er konsumiert am Abend Zitrusfrüchte, fetthaltige Gerichte sowie zuckerreiche Speisen.
  • Herrn Müller knirscht nachts mit den Zähnen. Es kommt zu Zahnschäden.
  • Die Nachtwache kontrolliert bei Herrn Müller in der Nacht die Atmung und die Vitalwerte.
  • Wir erläutern Herrn Müller, dass er keine Schlafmittel nehmen sollte, da diese die Atemfunktionen zusätzlich schwächen können.
  • Am Nachttisch halten wir einen kleinen Imbiss bereit, also etwa einen Joghurt, Zwieback oder geschnittenes Obst. Die Pflegekraft achtet darauf, dass Herr Müller nur kleine Mengen Nahrung zu sich nimmt. Er kann sonst mit zu vollem Magen nicht mehr einschlafen.
  • Nahrungsmittel, die den Schlaf stören, sollte Herr Müller meiden. Er sollte abends insbesondere keine scharfen Speisen zu sich nehmen, da diese den Säuregehalt des Magensaftes erhöhen.
  • Wir helfen Herrn Müller beim Einsetzen der Aufbissschiene (sog. "Knirscherschiene").
  • Wir regen eine fachärztliche Untersuchung an, um ggf. ein Schlafapnoesyndrom oder auch eine Herzinsuffizienz feststellen zu lassen.
  • Wir raten dem Bewohner dazu, auf Alkohol und auf Nikotin zu verzichten.
  • Wir prüfen, ob der Bewohner Nasentropfen einnehmen soll, um eine verstopfte Nase zu lindern.
  • Wir versorgen den Bewohner vor dem Schlafengehen mit einer Atemmaske, sofern diese ärztlich verordnet wurde.
  • Wir prüfen, ob der Bewohner das Abendessen zu einem späteren Zeitpunkt einnehmen sollte.
  • Wenn das nächtliche Zähneknirschen durch Stress ausgelöst wird, vermitteln wir dem Bewohner Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training, Gedankenreisen oder Meditation.
Fallbeispiel:
  • Frau Meier leidet schon seit Jahren unter Schlafstörungen. Diese hat sie vor dem Umzug in unsere Einrichtung durch Hausmittel behandelt. Sie mag warme Milch mit Honig sowie Schlaf fördernden Tee. Sie kann aufgrund von Koordinationsproblemen aber weder die Milch noch das Wasser eigenständig erwärmen. Sie braucht auch Hilfe, um den Honig bzw. den Teebeutel zuzugeben.
  • Frau Meier hat falsche Vorstellungen und Erwartungen an den eigenen Schlaf. Ihr ist das sinkende Schlafbedürfnis im Alter nicht bewusst.
  • Sie legt sich abends früher als nötig ins Bett und wacht morgens entsprechend frühzeitig auf.
  • Nächtliche Wachphasen werden als unverhältnismäßig lang erlebt. Sie glaubt oft, gar nicht geschlafen zu haben.
  • Frau Meier nimmt Kurzschlafphasen am Tag nicht wahr. Sie schläft häufig für kurze Zeit auf ihrem Sofa ein.
  • Wir helfen Frau Meier dabei, die Hausmittel weiterhin zu nutzen.
  • Wir stellen sicher, dass sich Frau Meier Zeit für das Milch- bzw. Teetrinken nimmt und dabei zur Ruhe kommt.
  • Frau Meier sollte erst dann ins Bett gehen, wenn sie die Müdigkeit spürt. Ein Zeitpunkt vor 22 Uhr ist zumeist unvorteilhaft.
  • Wir haben mit Frau Meier besprochen, dass sie am Morgen um sechs Uhr geweckt wird.
  • Die Bewohnerin erhält Schlaf fördernde Lebensmittel in angemessenen Mengen wie etwa Milch mit Honig oder ein Stück Schokolade.
  • Die Bewohnerin sollte Tees wählen, deren Schlaf fördernde Wirkung bekannt ist, etwa Baldrianwurzel, Hopfenzapfen, Melissenblätter, Orangenblüten und Weißdornblüten. Wir helfen bei der Zubereitung (Hinweis: Tee aus dem Supermarkt ist häufig von geringerer Qualität als Produkte aus der Apotheke oder aus dem Fachgeschäft.)
  • Wir besprechen mit der Bewohnerin deren Erwartungen an den eigenen Schlaf. Im Dialog versuchen wir, ihr ein realistisches Bild über das veränderte Schlafbedürfnis im Alter zu vermitteln.
  • Wir bitten die Bewohnerin, ein Schlaftagebuch zu führen.
Fallbeispiel:
  • Herr Müller wurde vor 20 Jahren geschieden und lebte seitdem allein, bevor er in das Pflegeheim umzog. Im Laufe der Zeit hat er verschiedene Einschlafrituale entwickelt. Er nutzt sie jetzt aber nicht mehr, weil sie ihm peinlich sind. Zudem will er die Pflegekräfte nicht beanspruchen.
  • Herr Müller hört vor dem Einschlafen gerne Hörspiele. Er hat zahlreiche alte Audiokassetten, kann diese aber nicht ohne Hilfe aus dem Regal holen und in den Walkman einlegen. Zudem mag er es, wenn ein Stoffbär in seinem Bett liegt. Dieser ist ein Mitbringsel seines Sohnes.
  • Herr Müller hat eine negative Erwartungshaltung. Er glaubt, dass alle Maßnahmen zur Schlafförderung ihm nicht helfen werden. Er wacht nachts auf und ärgert sich über die unfreiwillige Wachphase. Das Ärgern verhindert das Wiedereinschlafen.
  • Wir verdeutlichen Herrn Müller, dass er in der Einrichtung auch solche Rituale fortführen kann, die ihm etwas peinlich sind.
  • Wir sorgen dafür, dass die Mitbewohner von den Einschlafritualen nichts erfahren. Der Stoffbär liegt nur in der Nacht im Bett. Am Tag wird er auf den Schreibtisch gestellt. Die Kassetten werden im Schrank verstaut.
  • Wir erklären Herrn Müller den Teufelskreis des gestörten Schlafs und der Angst vor dem Nicht-Schlafen-Können.
  • Wir raten Herrn Müller dazu, etwaige Schlafunterbrechungen zu akzeptieren. Insbesondere nach Stresssituationen sind Schlafstörungen normal und Teil der Problembewältigung.
  • Im Rahmen des Erstgesprächs und in der Eingewöhnungszeit werden die vertrauten Rituale erfragt. So weit möglich werden diese Rituale in den Tagesablauf integriert. Etwa: abendlicher Spaziergang, ablegen der Kleidung auf einen Stuhl, lesen mit eigener Beleuchtung im Bett, Kopfkissen aufschütteln, Wecker stellen usw.
  • Wir fragen den Bewohner, ob er ein "Morgentyp" oder ein "Abendtyp" ist. Im Rahmen der Möglichkeiten passen wir die Arbeitsorganisation so weit an, dass der Bewohner sein Frühstück zu einem früheren Zeitpunkt einnehmen kann.
  • Wir suchen den Dialog mit dem Bewohner. Wir prüfen, welche Sorgen den Bewohner belasten.
  • Auf Wunsch stellen wir den Kontakt zum seelsorgerischen Dienst seiner Gemeinde her.
  • Wir prüfen, ob der Bewohner psychologische Beratung benötigt.
Fallbeispiel:
  • Frau Meier war als junge Frau Opfer sexueller Gewalt. Sie leidet noch immer unter Angstzuständen. Vor allem in der Nacht erleidet sie Panikattacken, die sie nicht wieder einschlafen lassen.
  • Frau Meier nutzt Maßnahmen aus dem Bereich der alternativen Medizin, um Schlaf zu finden. Sie hat eine große Sammlung an Heilsteinen. Sie nutzt zudem homöopathische Schlafmittel.
  • Wir stehen Frau Meier jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung. Sie offenbart sich oft am Abend bei der Vorbereitung für die Nachtruhe.
  • Wir führen mit Frau Meier eine beruhigende Teilwaschung durch. Alternativ erhält sie eine Atem stimulierende Einreibung.
  • Wir vermitteln den Kontakt zum seelsorgerischen Dienst ihrer Kirchengemeinde. Frau Meier hat großes Vertrauen zu Pastor Schulze.
  • Wir helfen Frau Meier beim Auflegen der Heilsteine. Wir unterlassen jede wertende Aussage zur Wirksamkeit derartiger Maßnahmen. Insbesondere bei psychisch bedingten Schlafstörungen haben solche Lösungsstrategien oft Erfolg.
  • Wir raten Frau Meier dazu, nicht krampfhaft wieder einschlafen zu wollen. Wir sorgen dafür, dass sie die Nachttischlampe leicht erreichen kann; dieses etwa, um ein Buch zu lesen.
  • Wir animieren Frau Meier, unser Nachtcafé zu nutzen. In diesem können sich schlaflose Bewohner mit Mitbewohnern treffen und sich gemeinsam die Zeit vertreiben, etwa beim Kartenspielen.
  • Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt prüfen wir die Notwendigkeit einer psychologischen Behandlung.
  • Sofern alle nichtmedikamentösen Optionen erfolglos bleiben, erhält die Bewohnerin Angst lösende Arzneimittel.
  • Die Bewohnerin kann auch fernsehen oder Musik hören. Damit sie Mitbewohner dabei nicht stört, sollte sie Kopfhörer tragen.
  • Vielen Senioren helfen Geduldsspiele bei der Ablenkung.
Fallbeispiel:
  • Herr Müller hat durch einen Autounfall beide Beine verloren. Er ist immobil und verbringt seinen Tag liegend im Bett. Sein Tagesablauf ist unstrukturiert und gleichförmig.
  • Durch die Lage seines Zimmers fällt wenig Tageslicht durch das Fenster. Da er kaum Kontakt zur Außenwelt hat, kann er die Taktgeber "Helligkeit = Tag" und "Dunkelheit = Nacht" nicht nutzen, um sich zeitlich zu orientieren.
  • Herr Müller sieht abends gerne fern. Er bevorzugt sehr spannende Filme, die ihn danach aber noch lange beschäftigen. Er kann dadurch nicht einschlafen.
  • Bei jedem Besuch im Zimmer teilt die Pflegekraft Herrn Müller die (grobe) Tageszeit mit.
  • So weit irgend möglich wird Herr Müller in einen Rollstuhl mobilisiert. Er sollte in den Garten der Einrichtung oder zumindest vor ein großes Fenster im Gemeinschaftsbereich gefahren werden.
  • Die Zimmerbeleuchtung wird an die Tageszeit angepasst. Morgens und abends ist sie gedämpft und am Mittag sehr hell. In der Nacht wird das Zimmer von Herrn Müller weitgehend abgedunkelt.
  • Am Abend sollte er entspannende Filmgenres wählen, etwa Komödien oder Dokumentationen.
  • Wir sorgen für eine gleichmäßige Tagesstruktur des Bewohners. Wir nehmen insbesondere Rücksicht auf tageszeitlich bedingte Schwankungen der mentalen und körperlichen Belastbarkeit.
  • Soweit möglich, sollte der Bewohner trotz der Bettlägerigkeit vertraute tagesstrukturierende Rituale weiterhin pflegen.
  • Wir raten (einem technisch versierten) Bewohner, spannende Filme lieber zeitversetzt am Nachmittag zu sehen; also etwa per Videorekorder, per DVD-Rekorder ode

    +++ Gekürzte Version. Das komplette Dokument finden Sie hier. +++




 
 
 
 
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