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Standard "Intertrigoprophylaxe und -behandlung"

 
Im Gegensatz zu Dekubitus oder Krätze ist Intertrigo ("Wolf") ein vergleichsweise ungefährliches Leiden. Dennoch zählt die Intertrigovorsorge zu den wichtigsten Prophylaxen in der Altenpflege. Und das nicht ohne Grund, denn das ständige Brennen und Jucken der geschädigten Hautbereiche kann auf Dauer zur Tortur werden.
 

Wichtige Hinweise:

  • Zweck unseres Musters ist es nicht, unverändert in das QM-Handbuch kopiert zu werden. Dieser Pflegestandard muss in einem Qualitätszirkel diskutiert und an die Gegebenheiten vor Ort anpasst werden.
  • Unverzichtbar ist immer auch eine inhaltliche Beteiligung der jeweiligen Haus- und Fachärzte, da einzelne Maßnahmen vom Arzt angeordnet werden müssen. Außerdem sind etwa einige Maßnahmen bei bestimmten Krankheitsbildern kontraindiziert.
  • Dieser Standard eignet sich für die ambulante und stationäre Pflege. Einzelne Begriffe müssen jedoch ggf. ausgewechselt werden, etwa "Bewohner" gegen "Patient".

 

Dieses Dokument ist auch als Word-Dokument (doc-Format) verfügbar. Klicken Sie hier!

 

Standard "Intertrigoprophylaxe und -behandlung"

Definition:
  • Wenn über längere Zeiträume Hautflächen auf Hautflächen liegen, kann es zum Feuchtigkeitsstau und zur Hautmazeration kommen. Eine so vorgeschädigte Hautfläche scheuert durch die Bewegung schnell auf und hat wenig Widerstandskraft gegen Pilz- und Bakterieninfektionen. Letztlich bilden sich rote und nässende Hautschädigungen insbesondere in Hautfalten. Dieses Krankheitsbild wird als "Intertrigo" (lat. für "Wundreiben") oder umgangssprachlich als "Wolf" bezeichnet.
  • Für betroffene Bewohner bedeutet dieses Krankheitsbild einerseits eine Einschränkung der Lebensqualität, da die Hautflächen jucken und brennen. Zudem steigt das Risiko, dass sich durch zusätzlichen Auflagedruck ein Dekubitus ausbildet.
  • Es zählt daher zu unseren pflegerischen Aufgaben, Bewohner vor Intertrigo zu schützen. Im Rahmen unserer Prophylaxemaßnahmen erfassen wir die individuelle Gefährdung, wählen geeignete Maßnahmen aus und überprüfen deren Wirksamkeit.
Grundsätze:
  • Intertrigo ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die mit aller pflegerischen Sorgfalt behandelt werden muss.
  • Wir arbeiten eng mit den Hausärzten zusammen und sprechen alle Maßnahmen zur Prophylaxe und zur Behandlung sorgfältig ab.
Ziele:
  • Die individuelle Gefährdung des Bewohners wird korrekt ermittelt.
  • Wir finden geeignete Prophylaxemaßnahmen, um die Entstehung von Intertrigo zu vermeiden.
  • Die Haut bleibt intakt. Insbesondere wird der physiologische Säureschutzmantel erhalten.
  • Der Bewohner kennt die Ursachen für die Bildung von Intertrigo. Er ist motiviert, sich an den Prophylaxemaßnahmen zu beteiligen.
  • Wenn es dennoch zu einer Hautschädigung kommt, wird diese rechtzeitig erkannt und zur Abheilung gebracht.
  • Der Bewohner wird nicht durch Schmerzen und Juckreiz beeinträchtigt.
  • Zusätzliche Infektionen durch Pilze und Bakterien werden vermieden.
Vorbereitung: Risikoermittlung Wir prüfen, ob ein Bewohner aufgrund verschiedener Faktoren besonders gefährdet ist. Dieses ist der Fall bei
  • Infektionserkrankungen mit Fieber
  • Apoplexie
  • Morbus Parkinson
  • Wachkoma
  • Hyperthyreose (krankhafte Überfunktion der Schilddrüse)
  • vegetative Dystonie (Störung der Erregungsweiterleitung im vegetativen Nervensystem)
  • Adipositas
  • Kontrakturen
  • spastische Lähmungen
  • Diabetes mellitus
  • Herzinsuffizienz
  • schlechter Allgemeinzustand
  • Inkontinenz
achten auf Symptome Wir achten auf die typischen Symptome von Intertrigo und den häufigsten damit verbundenen Komplikationen. Zu Schädigungen kommt es oftmals
  • unter den Brüsten
  • an den Bauchfalten von adipösen Senioren
  • in den Achselhöhlen
  • in den Zwischenräumen von Fingern und Zehen (bei starken Kontrakturen)
  • im Bereich der Gesäßfalten
  • unter dem Hoden
  • an den Oberschenkelinnenseiten
  • am Gliedmaßenstumpf bei Senioren mit Amputationen

Die gefährdeten Hautregionen werden täglich inspiziert.

  • Die Haut des Bewohners ist aufgequollen, gerötet und schwammig. Es sind kleine Risse sichtbar (sog. "Fissuren").
  • Der Bewohner klagt über ein ständiges Juckgefühl und ein Brennen. Er kratzt sich häufig in der betroffenen Region.
  • Werden weißliche Beläge sichtbar, spricht dieses für eine Pilzinfektion.
  • Nässende Hauterosionen und Pusteln sind ein Anzeichen für eine bakterielle Infektion.
Durchführung: übermäßige Schweißproduktion ("Hyperhidrosis")
  • Verschiedene Erkrankungen können eine übermäßige Schweißproduktion auslösen, etwa Infektionen (mit Fieber), vegetative Dystonie, Adipositas, Apoplexie oder Morbus Parkinson.
  • In den Hautfalten sammelt sich die Feuchtigkeit an. In Kombination mit der Körperwärme entsteht ein feuchtwarmes Milieu, das wiederum die massenhafte Vermehrung von Bakterien und Pilzen fördert.
  • Leidet der Bewohner bereits an einer anderen Infektion wie etwa einer Grippe, ist die geschwächte Immunabwehr häufig nicht mehr in der Lage, die zusätzliche Entzündung der Haut erfolgreich zu bekämpfen.
  • Wir stellen sicher, dass es aufgrund der Kleidung zu keinem Wärmestau kommt. Die getragenen Textilien sollten atmungsaktiv sein und den auftretenden Körperschweiß absorbieren. Insbesondere sollte der Bewohner keine Synthetikgewebe tragen, sondern Baumwollkleidung bevorzugen. Ist die Kleidung durchfeuchtet, wird sie zeitnah gewechselt.
  • Plastikfolien zum Bettschutz stören die Atmung der Haut und verhindern, dass Feuchtigkeit verdunstet. Wir verzichten daher auf dieses Hilfsmittel.
  • Bei bettlägerigen Senioren achten wir auf eine angemessene Bettdecke und Bettwäsche. Zudem sollte der Bewohner regelmäßig umgelagert werden, damit gefährdete Hautareale ausreichend mit der Luft in Kontakt kommen. Wir stellen zudem sicher, dass der Haut-zu-Haut-Kontakt durch die Lagerung reduziert wird. In Rückenlage soll der Bewohner die Beine und Arme abspreizen. In der Seitenlage kann der Bewohner ein Kissen zwischen die Knie legen.
Inkontinenz
  • Ebenso wie Schweiß erzeugt auch Urin ein feuchtwarmes Klima, das Bakterien und Pilzen ideale Lebensbedingungen bietet. Durch die im Urin gelösten Schadstoffe wie Ammoniak und Harnstoff wird die Haut zusätzlich belastet.
  • Bei Stuhlinkontinenz wird die Haut durch den Kontakt mit Verdauungsenzymen geschädigt, dieses insbesondere bei Durchfall.
  • Viele Produkte zur Inkontinenzversorgung behindern durch den Kunststoffüberzug die Luftzirkulation. Feuchtigkeit kann nicht verdunsten und staut sich auf der Haut und in Hautfalten. Wir achten daher bei der Beschaffung der Inkontinenzprodukte auf die Luftdurchlässigkeit.
  • Durchfeuchtete Inkontinenzprodukte werden zeitnah gewechselt. Wir ermuntern den Bewohner, sich bei Bedarf bei einer Pflegekraft zu melden.
  • Die Maßnahmen zur Vermeidung und Linderung einer Inkontinenz werden intensiviert. Dazu zählen insbesondere Toilettentraining, Beckenbodentraining sowie die Nutzung von Hilfsmitteln wie einem Kondomurinal.

(Hinweis: Alle weiteren Maßnahmen sind im Standard "Hautschutz bei Inkontinenz" beschrieben.)

Hautpflege
  • Wir nutzen kühlende Abwaschungen, um den Körperschweiß zu reduzieren und die Hautdurchblutung zu steigern. Die Wassertemperatur sollte 10°C unter der Körpertemperatur liegen. Zugesetzter Pfefferminz- und Salbeitee verstärkt den kühlenden Effekt.
  • Der Bewohner sollte nicht baden. Wenn dieses trotzdem erforderlich ist, sollte die Wassertemperatur nicht zu warm sein und das Bad möglichst schnell beendet werden.
  • Die Nutzung von alkalischen Seifen kann die Haut austrocknen und entfetten. Wir verwenden ausschließlich pH-neutrale Seife. Rückstände werden immer sorgfältig abgewaschen.
  • Wann immer möglich nutzen wir für die Pflege von betroffenen Hautregionen klares Wasser. Nur sichtbare Verunreinigungen werden mit Seife oder anderen Reinigungsmitteln beseitigt.
  • Nach dem Waschen bleibt oft Feuchtigkeit auf der Haut zurück, die sich in den Hautfalten ansammeln kann. Wir trocknen den Bewohner daher sorgfältig ab. Dafür nutzen wir weiche Handtücher. Geschädigte Areale werden trockengetupft und nicht gerieben.
  • Die betroffenen Bereiche sollten nicht mit Deodorant oder Parfüm in Kontakt kommen.
  • Wir nutzen keinen Puder. Es können sich Klumpen bilden, wenn der Puder nass wird. Insbesondere darf Puder nicht auf nässende Wunden aufgetragen werden, da die entstehende Kruste das Wachstum von Bakterien fördert.
  • Wir nutzen keine Fettsalben für die gefährdeten Körperstellen, da diese die Haut luftdicht abschließen und daher das Auftreten von Intertrigo fördern.
  • Wenn sich bereits eine Intertrigo gebildet hat, nutzen wir nach ärztlicher Rücksprache eine zinkhaltige Hautschutzsalbe (wichtig: "weiche Zinkpaste"). Diese wird dünn aufgetragen. Zinkoxid stoppt den Juckreiz und hemmt die Entzündung. (Hinweise: Zinkpaste erschwert die Hautbeobachtung. "Harte Zinkpaste" sollte nicht verwendet werden, da sich diese auch mit Babyöl nicht hautschonend entfernen lässt.)
  • Trockene Haut wird mit einem Präparat zur Rückfettung gepflegt. Wir nutzen eine Wasser-in-Öl-Emulsion, die wir vollständig einreiben.
Hautfalten
  • Wir stellen sicher, dass Hautfalten trocken gehalten werden. Dieses insbesondere am Bauch, unter der Brust und in den Leisten.
  • Wenn die Körperstellen schwer zu erreichen sind und (wichtig!) unverletzt sind, können diese auch trocken geföhnt werden. Bei Hautdefekten kann es leicht durch föhnen zu einer Keimverschleppung kommen.
  • Bewohnerinnen empfehlen wir ggf., den BH auch in der Nacht zu tragen. Der BH darf nicht unter der Brust einschnüren. Daher sollte die Bewohnerin mittellange BHs oder Sport-BHs nutzen.
  • Die Hautkontaktstellen von großen Hautfalten werden mit einem eingelegten Baumwollstreifen oder einem kleinen Leinenlappen versorgt. Die korrekte Lage dieser Trennmaterialien wird regelmäßig kontrolliert, da Faltenbildung die Reibung verstärkt. Mulltupfer nutzen wir i.d.R. nicht, da diese für empfindliche Haut zu rau sind.
Infektionen
  • Wenn eine Infektion aufgetreten ist, muss bei der Körperpflege eine Ausbreitung vermieden werden. Dazu sollten beim Waschen zunächst die nicht betroffenen Körperbereiche gereinigt und getrocknet werden. Erst dann werden die erkrankten Regionen gewaschen.
  • Bei einer hartnäckigen Infektion drängen wir darauf, dass der Erreger per Abstrich ermittelt wird.
  • Pilzinfektionen können durch lokal wirkende Antimykotika bekämpft werden. Gute Resultate erzielt eine Kombination aus Nyastin und Zinkoxid. Nyastin ist gut verträglich und wirkt insbesondere sehr schnell gegen Hefepilze. Ggf. kann auch eine prophylaktische Anwendung durchgeführt werden.
  • Salbenrückstände werden mit Öl und Kompressen vorsichtig entfernt.
weitere Maßnahmen
  • Wir empfehlen dem Bewohner, etwaiges Übergewicht durch eine Anpassung der Ernährung abzubauen.
  • Der Bewohner sollte auf schweißtreibende Getränke wie Kaffee und scharfe Speisen verzichten.
Nachbereitung:
  • Alle Maßnahmen und alle relevanten Veränderungen werden sorgfältig dokumentiert.
  • Bildet sich eine Hautschädigung binnen einer Woche nicht deutlich zurück oder zeigen sich schmutzige Beläge, wird der Bewohner einem Arzt oder Hautarzt vorgestellt.
Dokumente:
  • Leistungsnachweis
  • Berichtsblatt
  • Wunddokumentation
  • ärztliches Verordnungsblatt
  • Kommunikationsblatt mit dem Arzt
  • Pflegeplanung
Verantwortlichkeit:
  • Pflegefachkräfte
 
   
 
 
Weitere Informationen zu diesem Thema
Schlüsselwörter für diese Seite Waschen; Körperpflege; Prophylaxe; Intertrigoprophylaxe; Wolf
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