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Pflegedokumentation

Notbremse: MDK-Angst lässt Pflegedokumentation ausufern

 
Eine nahende Überprüfung hat mitunter erstaunliche Effekte: Während jahrelang die Pflegedokumentation vernachlässigt wurde, verfällt die Pflegedienstleitung nun in das andere Extrem: Um die Doku "wasserdicht" zu bekommen, werden ohne zwingenden Grund immer neue Spezialbögen angelegt und aufwendig geführt. Wir verraten Ihnen, wie Sie diesen Wildwuchs sinnvoll eindämmen und gleichzeitig den Ansprüchen des MDK und der Heimaufsicht gerecht werden.
 

Insbesondere frisch eingestellte Pflegedienstleitungen schrauben aus Unwissenheit und Unsicherheit die Ansprüche nach oben. Da sich keine PDL eine schlechte und lückenhafte Pflegedokumentation vorhalten lassen möchte, müssen die armen Pflegekräfte per Dienstanweisung nun plötzlich jede noch so unwichtige Lappalie dokumentieren. Klar, dass für die Pflege dann weniger Zeit übrig bleibt.

Es ist übrigens ein Irrglaube, dass der MDK oder die Heimaufsicht eine solche "Monster-Dokumenation" zu würdigen wissen. Tatsächlich kann sich jeder Prüfer an fünf Fingern abzählen, dass hier kein Fachmann am Werke war. Und wenn schon bei der Doku die blanke Unkenntnis herrscht, dann lohnt sich bestimmt eine nähere Untersuchung.

Das Problem: Jede Heimaufsicht und jedes MDK-Team legt letztlich ganz eigene Maßstäbe an. Was in Berlin noch akzeptiert wird, kann in München oder Hamburg schon zu einer Rüge führen. Daher ist eine andere Strategie Erfolg versprechender: Suchen Sie den Kontakt! Viel zu befürchten haben Sie nicht.

Eine PDL, die mit einer langen Liste von Fragen im Büro der Heimaufsicht steht, beweist Mut und Engagement. Und eine Einrichtung mit einer solch couragierten Pflegedienstleitung ist als Ziel einer Kontrolle viel uninteressanter als ein Heim, das krampfhaft jeden Kontakt meidet. Natürlich sollten Sie bei Fragen zu freiheitsentziehenden Maßnahmen nicht beiläufig erwähnen, dass Bewohner bei Ihnen gewohnheitsmäßig ohne Dokueintragung fixiert werden.

Kleiner positiver Nebeneffekt: Der eigene Job wird durch einen guten Kontakt sicherer. Ein Träger wird es sich zweimal überlegen, ob er eine PDL feuern will, die bei der Heimaufsicht als engagiert und kompetent bekannt ist. Jede derartige personelle Veränderung muss an die Behörden gemeldet werden. Die Prüfer könnten nun neugierig werden und sich fragen, welchen Grund es wohl für die Veränderung gegeben haben mag. Hat die PDL angesichts der vielen Probleme das Handtuch geworfen? Wurde sie gemobbt, weil Sie zu viel Veränderungen wollte? Falls Ihnen eines Tages die Kündigung droht, könnten Sie ja sanft andeuten, dass Sie sich in diesem Fall natürlich noch bei Ihrem "Lieblings-Beamten" bei der Heimaufsicht verabschieden müssten.

Unser Tipp: Bei kniffligen Fragen ab zur Heimaufsicht! Hier einige Beispiele, über die die Heimaufsicht oder der MDK mit sich reden lassen könnten:

  • Berichteblatt / Tagesverlauf: Einige Pflegedienstleitungen verlangen tägliche Eintragungen zu jedem Bewohner. Oft kommen dann Resultate zustande wie etwa: "Frau Mustermann wurde heute geduscht, und ihr scheint es gut zu gehen." Oder: "Bewohner hat heute gute Laune." Hier scheint die Quantität und weniger die Qualität der Eintragungen eine Rolle zu spielen.
     
  • Freiheitsentziehende Maßnahmen: Laut Heimgesetz müssen alle freiheitsentziehenden Maßnahmen durch die Einrichtung dokumentiert und vorgelegt werden. Das gilt vor allem für jene Maßnahmen, für die ein Gerichtsbeschluss vorliegt, oder die durch einen rechtfertigten Notstand zustande gekommen sind. Aber gilt das auch für die freiheitsentziehende Maßnahmen, die durch den Bewohner gewünscht werden und mittels eines Einwilligungsformulars exakt festgehalten wurden?

    Manch eine Heimaufsicht sieht das Ganze recht pragmatisch - etwa dann, wenn ein Bewohner das Bettgitter hochklappen lässt, damit er in der Nacht nicht herausfallen kann. Hier reicht häufig das Vorlegen einer Einverständniserklärung und ein kurzer Hinweis im Berichte- oder Stammblatt. Wer ohne Not jeden Klappvorgang des Bettgitters minutiös protokolliert, verschwendet nun wirklich seine Zeit.
     
  • Leistungsnachweise: Viele Einrichtungen lassen jede einzelne Pflegeleistung per Handzeichen der Pflegekraft dokumentieren. Für eine solche Forderung gibt es jedoch keine rechtliche Grundlage. Prinzipiell kann eine Unterschrift pro Schicht für alle in der Pflegeplanung festgelegten pflegerischen Leistungen ausreichen.
 
 
 
   
 
 
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die Gegebenheiten Ihrer Pflegeeinrichtung bzw. Ihres Pflegedienstes angepasst werden müssen.